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Verbindungsprobleme – Papierkleber landet und hält selten da, wo er soll

Verbindungsprobleme – Papierkleber landet und hält selten da, wo er soll

Mit Papier zu arbeiten ist ein sinnliches Erlebnis. Die Struktur zu fühlen, Farben und Muster zu kombinieren und es mit der Schere oder dem Papierschneider zu zertrennen ist ein Vergnügen, das Photoshop nicht ersetzen kann. Wer Papier zu neuen Bildern und Formen zusammenfügt, steht jedoch einem Feind gegenüber, der fast immer gewinnt: dem Klebstoff.

Schon die genaue Dosierung ist schwer. Mögen Tuben, Flaschen, Stifte oder mausähnliche Konstruktionen noch so durchdacht sein, der Inhalt ist fast immer von unberechenbarer Konsistenz. Er ergießt sich unkontrollierbar auf die Arbeitsfläche, es bilden sich in Sekundenschnelle Tropfen und Fäden legen sich auf makellose Oberflächen. Beim Trockenvorgang kann es ebenfalls zu ungeahnten Komplikationen kommen. Bis die Materialien sicher aneinander haften, können Stunden vergehen und dabei verfärben oder wellen sie sich noch. Und ist der Vorgang trotz aller Widrigkeiten erfolgreich abgeschlossen, kann immer noch ein übersehener Spritzer, der bisher klar und harmlos aussah, einen gelblich-dunklen Farbton annehmen, der abstoßende Assoziationen weckt.

Die Anbieter arbeiten hart an Lösungen.

Uhu Karton- und Bastelkleber

Uhu bringt Spezialklebstoffe in immer neuen Formen und Behältnissen auf den Markt. Auf der Homepage wird sogar eine Klebeberatung angeboten, die aber nicht immer nachvollziehbar ist. Ein Beispiel: Zu verklebendes Material? Papier. Material der Aufklebefläche? Papier. Klebefläche? Punkt- oder Kleinflächenklebung. Vorschlag der Firma: Uhu-Holzleim! Gewiss. Der Hersteller bietet kaum ein Dutzend Papierkleber an, da ist es, wenn Papier mit Papier verbunden werden soll naheliegend, zum Holzleim zu greifen.

Ohne Beratung würde man wohl den „Karton und Bastelkleber“ wählen. „Zieht keine Fäden und tropft nicht“ ist das erste Versprechen. Das stimmt, wie auch beim klassischen „Uhu Alleskleber“, aber nur, wenn man die Tube bei optimaler kleber_textTemperatur aufbewahrt. Aber schon bei Zimmertemperatur handelt es sich offenbar nicht um den Optimalwert und der Stoff zieht eindeutig Fäden und quillt auch ziemlich ungehemmt aus der Tülle, was den punktgenauen Auftrag schwierig bis unmöglich macht. Bewahrt man die Masse im Kühlschrank auf, hat sie bei den ersten zwei bis drei Einsätzen tatsächlich die gewünschte Zähigkeit, jedoch verflüssigt sie sich auch schnell wieder. Wenn man länger als eine halbe Stunde an der Arbeit ist, hat man es wieder mit der unkontrollierbaren Substanz zu tun. Sie ist aber tatsächlich „farblos“, wie angekündigt, so dass an den Rändern übergetretene Reste nicht ganz so stark auffallen. „Klebestark“ ist das Produkt ebenfalls. Bei rauheren Oberflächen ist es noch effizienter als bei glatten. „Schnell“ ist es auch, circa 15 Minuten bis zum kompletten Aushärten, und da man eben auch in vielen Fällen Fäden und Überschuss wegrubbeln muss, wäre zu schnelles Trocknen sowieso kein Vorteil.

tesa Bastelkleber

Verglichen mit Uhu, der im besten Fall eine leicht gelförmige Textur besitzt, ist der tesa Bastelkleber dünner. Dazu ist auch er stark von der Außentemperatur abhängig, je wärmer es ist, desto flüssiger wird er. Vor leichter Fadenbildung ist man auch bei ihm nicht sicher. Diese Fäden lassen sich leider nicht so leicht wegreiben, wie das in den ersten Momenten und einer halbwegs glatten Oberfläche bei Uhu möglich ist, der tesa Kleber verteilt sie eher noch stärker. Eine Hilfe ist in der Tat der „herunterklappbare Spachtel“, eine weitere Kappe an der Tülle, die das Vergrößern und Verkleinern der Öffnung ermöglicht. Das Produkt wird in Flaschen angeboten, so dass die Substanz nicht von selbst austritt, wie es bei Tuben manchmal vorkommt. Der Kleber ist im trockenen Zustand glasklar, wie es die Werbung verspricht und tatsächlich leicht auswaschbar.

Original Pritt Stift

Die patentierte Form des Pritt Stifts („kann glatt und gleichmäßig aufgetragen werden“!) ist, wenn man es mit Kleinteilen zu tun hat, eine Katastrophe. Die Klebemasse verteilt sich in unsteuerbaren Schlieren auf Flächen und Fingern, was gezieltes Arbeiten fast unmöglich macht. Hat man wenigstens die größeren Stücke glücklich dort angebracht, wo man sie haben will, lässt die Klebewirkung nach dem völligen Trocknen auch schon wieder nach (eine großzügige Auslegung des Werbetextes „lässt genügend Zeit, um das Objekt zu korrigieren“). Einen Vorteil gibt es: Sollen lediglich einige größere Papierformen lose arrangiert werden, kann man sie mit Pritt für kurze Zeit mit einander verbinden und fixieren, so dass sie sich nicht verschieben oder verwehen. Das ist angenehm, wenn die Formen gescannt oder fotografiert werden sollen. Die Teile sind danach leicht wieder zu trennen und die Rückstände sind kaum wahrnehmbar.

Pattex Multi

Die Allzweckwaffe meiner Oma hat bei zerbrochenen Kaffeetassen und sich lösendem Linoleum Wunder bewirkt und wurde uns als Kindern auch zum Basteln in die Hand gedrückt. Für Papier ist sie aber ungeeignet.mehr_kleber_text In einer angebrochenen Tube wird der Inhalt schnell zäh wir Raclettekäse, was bei Bruchstellen und Bodenfliesen gar nicht so schlecht sein mag, aber kleinere Schnipsel fix in einen unbrauchbaren Klumpen verwandelt. Was Arbeiten mit Pattex aber vor allem auszeichnet ist die Farbe, die er nach der (tagelang währenden) Aushärtezeit annimmt. Es drängt sich die Frage auf: Hat hier jemand etwas repariert oder Tuberkulose?

Einen Klebeberater findet man auch beim Online-Auftritt von Pattex, allerdings verweist er bei der Frage nach Papier auf die zur Pattex-Gruppe gehörenden Pritt Stifte, oder eben auf Pattex Multi, an dem sich seit den Nachmittagen bei Oma nicht viel verändert hat.

Gutenberg Gummierstift (aus einer Papeterie)

Der Gummierstift wird als besonders umweltschonender Klebstoff aus reinem Pflanzengummi vermarktet. Als Lösungsmittel enthält er schlicht Wasser, die Glasflasche ist nachfüllbar, den Verstreicher und den Metallverschluss kann man nachkaufen. Besagter „Verstreicher“ macht die Handhabung tatsächlich ausgesprochen angenehm, er sorgt für einen gleichmäßigen Film.

Eine exakte Anwendung ist schon schwieriger, nicht immer braucht man eine millimeterbreite Spur. Dazu kommt, dass der Verstreicher, eine abgeschrägte Kappe aus Gummi, vom Käufer selbst mit einem Loch versehen werden muss, was schnell schief gehen kann. Und selbst eine geschickt perforierauch_kleber_textte Gummifläche ist nach häufigem Gebrauch verkrustet und verkleistert und die Klebesubstanz lässt sich nicht mehr ganz so geschmeidig verteilen. Trotzdem, verglichen mit vielen Konkurrenzprodukten ist die Mischung im positiven Sinne leichtflüssig (weit weg von den beiden Extremen zu dünn oder zu träge) und erzielt einen sehr guten Klebeeffekt bei jeder Temperatur. Ein Manko ist dabei jedoch, dass das Papier beim Klebevorgang trotzdem stark aufweicht, vermutlich liegt es am enthaltenen Wasser.

Jes-Collection (aus einem 1-Euro-Shop)

Interessantes System: Die Tube hat keinen Verschluss. Sie wird einmal oben aufgeschnitten und ist so geformt, dass sie immer mit der Öffnung nach oben zu liegen kommt. Bei jedem neuen Gebrauch müssen zwar die eingetrockneten Reste aus der Öffnung gekratzt werden, aber das kann einem bei klassischen Tuben auch passieren. Die Masse ist durch die sehr spitze Tülle wirklich gut zu dosieren. Zum Glück, denn sie ist ausgesprochen flüssig, so flüssig, dass der Trockenvorgang Stunden dauert und sich das Papier deutlich wellt. Tatsächlich ist sie, wenn sie denn mal trocken ist, so gut wie unsichtbar. Doch durch die überdurchschnittliche Liquidität besteht auch bei präzisester Anwendung die Gefahr, dass das Papier zu stark aufweicht und sich die Klebestellen später doch noch dunkel abzeichnen.

Papier ist ein vielseitiger Werkstoff. Es variiert in der Dicke, der Zusammensetzung, der Oberflächenstruktur und hat noch zahlreiche andere Merkmale. Statt nach dem einen idealen Klebstoff zu suchen, ist es vermutlich die beste Lösung, für die verschiedenen Möglichkeiten verschiedene Produkte bereit und ein Fach im Kühlschrank frei zu halten.

 

Ines Schneider

 

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